Partnerschaft für Demokratie in den Kommunen Aue, Bad Schlema, Lößnitz und Schneeberg
Aue, Bad Schlema, Lößnitz, Schneeberg

Interkulturelle Begegnungen in der Oase

Interkulturelle Begegnungen in der Oase

Das Bundesprogramm „Demokratie leben“ fördert verschiedene Projekte in Aue-Bad Schlema, Schneeberg und Lößnitz. Die freie Journalistin Katja Lippmann-Wagner begleitet ausgewählte Veranstaltungen und berichtet darüber. Heute: Das internationale Workcamp an der Jugendbegegnungsstätte OASE in Lößnitz, die sich in Trägerschaft des Blauen Kreuzes befindet.

 

Lößnitz ist ganz sicher nicht der Mittelpunkt der Welt. Doch Lößnitz kann international. Und das stellt die Stadt einmal im Jahr gemeinsam mit der Jugendbegegnungsstätte Oase unter Beweis. Denn schon zum wiederholten Male war der Kinder- und Jugendtreff im Spätsommer Gastgeber für ein internationales Workcamp. Die 22-jährige Anna Kellert aus Döbeln war eine der beiden Gruppenleiterinnen, die die diesmal kleine Gruppe im Erzgebirge betreute. An ihrer Seite stand Saida Arab aus Algerien. Schon zum siebenten Mal war die 30-Jährige als Teamerin im Einsatz. „Zuvor war ich zweimal Teilnehmerin.“ Dass sie ausgerechnet eine Gruppe in Deutschland betreute war dabei kein Zufall: „Ich studiere Deutsch in der Küstenstadt Oran, die sich im Westen von Algerien befindet.“ Durch das Workcamp im Erzgebirge wollte sie ihre Sprachkenntnisse verbessern. „Deshalb bewerbe ich mich immer um die Camps in Deutschland.“ Allein in diesem Sommer war sie dreimal als Gruppenleiterin dabei. „Lößnitz kannte ich noch nicht.“ Auch das Umweltthema, das das Lößnitzer Camp bediente, war für sie eine Premiere. Anna Kellert hat als Teamerin ein bisschen weniger Erfahrung. Sie stand erst zum zweiten Mal einer solchen Gruppe vor. „Da ich in Hildesheim Kulturwissenschaft Ästhetische Praxis studiere lag mir das erste Camp, in dem es um einen Filmworkshop ging deutlich näher“, sagt sie. Doch die Interkulturalität und die Begegnung zwischen jungen Leuten verschiedener Nationen sei überall gleich. In Lößnitz habe sie als besonders positiv den Austausch mit den Kinder und Jugendlichen aus der Oase empfunden. Eine Sache auf die auch Timon Schwab, der Chef der Oase viel Wert legt. Die Nachmittage verbrachten die Workcamp-Teilnehmer sehr oft in großer Runde. Auch Aleksey Murygin Nickolayerich aus Russland schätzt genau dieses Kennenlernen: „Der kulturelle Austausch interessiert mich.“ Das darüber stehende Thema sei schon fast Nebensache. Besagtes Umwelt-Thema führte die Workcamper ins Naturschutzzentrum Dörfel. Dort haben sie sich in die Pflege einer natürlichen Orchideenwiese eingebracht. Kleine Birken, die den Orchideen die Kraft ziehen würden, wurden durch die Teilnehmer entfernt und gemähtes Gras händisch zusammen gefegt, um keine wertvollen Pflanzen zu schädigen. Zudem legten sie am Zentrum einen neuen Garten an. „Es soll dort ein Ausstellungsgarten entstehen, der einzigartige Pflanzen des Erzgebirges zeigt“, so Teamerin Anna Kellert.

 

Im Umfeld des Workcamps, für das die Oase Gastgeber war, gab es für die Gäste viel zu erleben. Der Besuch der Räucherkerzenmacher in Neudorf stand ebenso auf dem Programm wie Sightseeing in Dresden, Leipzig, Chemnitz und Nürnberg. Aber auch Informationen über das Erzgebirge saugten die Gäste auf. Aleksey Murygin Nickolayerich beispielsweise war von den Traditionen rund um den Bergbau ganz begeistert. „Besonders interessant finde ich, welche Rohstoffe hier abgebaut worden sind und was das mit der Landschaft und den Menschen gemacht hat.“ Rolando Rios Cruz aus Mexico arbeitet als Webdesigner bei der Regierung. Auch ihm gefällt, wie traditionell das Erzgebirge geprägt ist. „Die Liebe zum Detail in den Städten und die vielen grünen Flächen sind etwas Besonderes“, sagt der 26-Jährige. Zudem erinnere ihn das Erzgebirge an ein kleines Gebirge ganz in der Nähe seiner Heimatstadt Apizaco. Die Stadt im Bundesstaat Tlaxcala liegt in Zentral-Mexico. Für Rolando Rios Cruz war die Teilnahme am Workcamp eine persönliche Challenge. „Ich wollte unbedingt Deutschland kennen lernen und mein Englisch verbessern.“ Ein bissel habe er sich in Deutschland verliebt. „Das Leben hier ist besser als ich erwartet habe. Ich kenne Fotos und die können das gar nicht so widerspiegeln. Insgesamt hatte das Workcamp in diesem Jahr sechs Teilnehmer.